Zuletzt aktualisiert: 13. April 2026 | Von Alfred Lohmann, Versicherungsmakler in Arnsberg
Am 27. März 2026 hat der Bundestag die Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen. Die Riester-Rente, wie wir sie kennen, wird durch ein neues Altersvorsorgedepot ersetzt — mit höheren Zulagen, mehr Freiheit bei der Anlage und erstmals auch für Selbständige. Hier erkläre ich dir, was sich konkret ändert, was das für dich bedeutet und wo du aufpassen solltest.
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein neues, staatlich gefördertes Sparprodukt für die private Altersvorsorge. Im Gegensatz zur bisherigen Riester-Rente kannst du damit direkt in Aktien, Fonds und ETFs investieren — ohne verpflichtende Garantie auf eingezahlte Beiträge. Das Ziel: Mehr Rendite durch echte Kapitalmarktbeteiligung, statt magerer Zinsen auf garantierte Produkte. Das Gesetz tritt zum 1. Januar 2027 in Kraft.
Die wichtigsten Änderungen auf einen Blick
| Thema | Bisher (Riester) | Neu (ab 2027) |
|---|---|---|
| Anlageform | Versicherung mit Garantie | Depot mit Aktien, Fonds, ETFs |
| Garantie | 100 % Beitragsgarantie (Pflicht) | Ohne Garantie, optional 80 % oder 100 % |
| Max. Grundzulage | 175 € pro Jahr | Bis zu 540 € pro Jahr |
| Kinderzulage | 185 € / 300 € pro Kind | 100 % der Beiträge bis 300 € |
| Selbständige | Nicht förderberechtigt | Erstmals förderberechtigt |
| Verrentungspflicht | Ja | Nein — flexible Entnahme möglich |
| Standardprodukt | Keines | Staatlich verwaltetes Standarddepot |
| Kostendeckel | Keiner | 1 % beim Standarddepot |
Zulagen: So viel Förderung bekommst du
Die bisherige feste Zulage wird durch eine prozentuale Förderung ersetzt. Das bedeutet: Je mehr du sparst, desto mehr zahlt der Staat dazu.
- Bis 360 € Eigenbeitrag pro Jahr: 50 % Zulage → bis zu 180 € vom Staat
- Von 360,01 € bis 1.800 € Eigenbeitrag: 25 % Zulage → bis zu 360 € zusätzlich
- Maximale Grundzulage: 540 € pro Jahr (bei 1.800 € Eigenbeitrag)
- Kinderzulage: 100 % der Beiträge bis 300 € pro Kind und Jahr
Rechenbeispiel: Sparst du monatlich 150 € (= 1.800 € pro Jahr), erhältst du 540 € Zulage. Zusammen mit der Steuerersparnis kann sich die effektive Förderquote auf über 40 % summieren — je nach Einkommen und Familienstand.
Garantie: Muss ich auf Sicherheit verzichten?
Nein — du hast die Wahl. Das neue Gesetz bietet drei Varianten:
- Ohne Garantie (Altersvorsorgedepot) — Volle Anlage in Aktien, Fonds, ETFs. Höchste Renditechancen, aber auch volles Marktrisiko.
- 80 % Beitragsgarantie — 80 % deiner Einzahlungen inkl. Zulagen sind zum Rentenbeginn garantiert. Restliches Kapital wird renditestärker angelegt.
- 100 % Beitragsgarantie — Wie bisher bei Riester. Maximale Sicherheit, aber geringere Renditechancen.
Meine Einschätzung als Makler: Wer noch 20 oder mehr Jahre bis zur Rente hat, sollte ernsthaft über die Variante ohne oder mit 80 % Garantie nachdenken. Historisch hat ein breit gestreutes Aktienportfolio über 20 Jahre noch nie Verlust gemacht. Die 100 %-Garantie kostet dich Rendite — und bei einer Laufzeit von 30 Jahren kann dieser Unterschied schnell fünfstellig werden.
Erstmals auch für Selbständige
Eine der wichtigsten Neuerungen: Selbständige, Freiberufler und Unternehmer sind erstmals förderberechtigt — auch ohne Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung. Bisher waren sie von der Riester-Förderung ausgeschlossen. Das betrifft allein in Deutschland über 4 Millionen Selbständige.
Für Selbständige ist das besonders interessant, weil sie häufig keine betriebliche Altersvorsorge haben und die Basisrente (Rürup) nicht immer die passende Lösung ist. Mit dem Altersvorsorgedepot gibt es jetzt eine flexible, kapitalmarktorientierte Alternative mit staatlicher Förderung.
Das staatliche Standarddepot
Neben den Angeboten privater Anbieter (Banken, Versicherer, Fondsgesellschaften) wird es ein öffentlich verwaltetes Standarddepot geben. Die Bundesregierung wurde ermächtigt, dieses Produkt per Verordnung umzusetzen — ohne Zustimmung des Bundesrats.
Für das Standarddepot gilt ein Kostendeckel von 1 % der Beiträge. Es soll als einfache, kostengünstige Basisoption dienen — ähnlich dem schwedischen Modell AP7.
Ob das staatliche Produkt wirklich günstiger und besser sein wird als die Angebote der Privatwirtschaft, bleibt abzuwarten. Die Erfahrungen mit der Riester-Rente und dem europäischen PEPP-Produkt zeigen: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.
Häufige Fragen zum Altersvorsorgedepot
Ab wann kann ich das Altersvorsorgedepot nutzen?
Das Gesetz tritt zum 1. Januar 2027 in Kraft. Ab dann kannst du ein Altersvorsorgedepot eröffnen. Bestehende Riester-Verträge können beitragsfrei gestellt oder in das neue Modell überführt werden.
Was passiert mit meinem bestehenden Riester-Vertrag?
Bestehende Riester-Verträge bleiben erhalten und können weiter bespart werden. Du kannst aber auch wechseln. Eine Übertragung in das neue Altersvorsorgedepot soll möglich sein — die genauen Modalitäten werden noch geregelt.
Lohnt sich das Altersvorsorgedepot für mich?
Das hängt von deiner persönlichen Situation ab: Alter, Einkommen, Familienstand, vorhandene Vorsorge und Risikobereitschaft. Grundsätzlich gilt: Je jünger du bist und je länger die Laufzeit, desto mehr profitierst du von der kapitalmarktorientierten Variante ohne Garantie.
Ist das Altersvorsorgedepot sicher?
Das Depot selbst unterliegt als Sondervermögen dem Schutz bei Insolvenz des Anbieters — dein Geld ist also nicht weg, wenn die Bank pleitegeht. Das Marktrisiko trägst du allerdings selbst (bei der Variante ohne Garantie). Bei 80 % oder 100 % Garantie wird ein Teil der Sicherheit vom Anbieter garantiert.
Kann ich das Geld vor der Rente entnehmen?
Grundsätzlich ist das Altersvorsorgedepot für die Altersvorsorge gedacht. Vorzeitige Entnahmen sind unter bestimmten Bedingungen möglich, können aber zum Verlust der Förderung führen. Ein großer Vorteil gegenüber Riester: Es gibt keinen Verrentungszwang mehr — du kannst flexibel entnehmen.
Meine ehrliche Einschätzung
Die Altersvorsorgereform ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Riester-Rente war zu teuer, zu unflexibel und hat durch die starre Beitragsgarantie oft mehr gekostet als gebracht. Dass jetzt auch Selbständige gefördert werden und die Anlage in ETFs möglich ist, war überfällig.
Was mich nachdenklich stimmt: Das staatliche Standarddepot klingt gut auf dem Papier — aber die Erfahrung zeigt, dass staatlich verwaltete Produkte selten günstiger oder besser sind als der Wettbewerb. Und ohne ehrliche, fundierte Beratung wird die Reform viele Menschen nicht erreichen. Ein gutes Produkt hilft wenig, wenn niemand erklärt, welche Variante zur eigenen Lebenssituation passt.
Genau das ist mein Job. Wenn du wissen willst, ob das neue Altersvorsorgedepot für dich sinnvoll ist — oder ob es bessere Alternativen gibt — dann lass uns darüber sprechen.
Du willst wissen, was die Reform für dich konkret bedeutet?
Ich berate dich persönlich — kostenlos und ohne Verkaufsdruck.
Termin buchen WhatsApp